Die Ablehnung der Mitwirkung des Militärs an der Bildung in Großbritannien

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Die Streitkräfte Großbritanniens besuchen in jedem Jahr Tausende von Schulen. Sie bieten Präsentationsteams für Schulen, 'KarriereberaterInnen', Lehrpläne, Exkursionen, und vieles mehr an. Auch wenn sie behaupten, dass es sich dabei nicht um Rekrutierung handelt, so erklärt doch das Verteidigungsministerium, dass diese Aktivitäten es ihnen erlaubt “positive Informationen bereit zu stellen, um MeinungsbildnerInnen der Zukunft zu beinflussen, und dass RekrutiererInnen so Zugang zum Schulumfeld erhalten”. Ihre Jugendpolitik, einschließlich der Kadetten an Schulen, zielt darauf ab “Bedinging zu schaffen, unter denen die Rekrutierung gedeihen kann”. Dies ist ein langfristiger Ansatz der Rekrutierung junger Menschen sowohl als UnterstützerInnen der Streitkräfte und auch, für einige, ihre Aufweichung für die letztliche Rekrutierung.

Das Einflößen von Ideologie

Die Regierung hat vor kurzem angedeutet, dass es eine Ausweitung der Kadetten innerhalb staatlicher Schulen geben wird, um einen 'Geist des Dienens' zu fördern, und sie hat einige Programme etabliert, wie z.B. Ex-SoldatInnen als BetreuerInnen und 'Truppen als LehrerInnen'. Eine andere neuere Entwicklung ist die Pheonix Free School, die ausschließlich vom Militär verwaltet wird. Dabei gibt es eine 'Null-Toleranz'-Herangehensweise an Disziplin, und der vorgeschlagene Schulleiter erklärt, dass sie „moralischen Relativismus und Kinder-zentrierte pädagogische Theorien ablegen wird. 'Selbstbewusstseins'-Training ist out … Konkurrenz ist in.“ [1] Vorgeschlagen vom rechten Think Tank, dem „Centre for Policy Studies“, ist da eindeutig eine ideologische politische Agenda an der Arbeit, die professionellen Bedenken, dass militärische Werte im Bildungssystem unangebracht sein könnten, keine Aufmerksamkeit schenkt. Ein anderer rechter Think Tank, ResPublica, befürwortet die Einführung vom Militär unterstützter Akademien, „offiziell unterstützt von den Streitkräften, und organisiert von den Kadetten-Vereinen“. [2] Der Vorschlag wurde als Antwort auf die Aufstände des Jahres 2011 präsentiert und wurde von der NASUWT (National Association of Schoolmasters Union of Women Teachers), der größten LehrerInnen-Gewerkschaft in Großbritannien, als „Wehrpflicht für Arme“ kritisiert. Die Rhetorik um den zunehmenden Einfluss des Militärs in Schulen dreht sich um das einflößen von Disziplin und Werten, und basiert auf einigen unbewiesenen Behauptungen, einschließlich: dass diejenigen, die im Militär gedient haben, besser als Lehrer dazu in der Lage sind eine produktive Lernumgebung zu schaffen; dass das Militär besser als andere, in den Gemeinschaften verankerte oder andere Aktivitäten dazu in der Lage ist, einen 'Geist des Dienens' zu schaffen; und dass Eltern auf das Militär blicken als eine Institution, die Werte verkörpert, von denen sie wünschen, dass ihre Kinder sie aufgreifen.

Der gesetzliche Rahmen

Eine der Charakteristika der Beteiligung der Streitkräfte an Bildungseinrichtungen in Großbritannien ist, dass das Verhältnis zwischen den Streitkräften und Bildungseinrichtungen informell geregelt ist, anders als zum Beispiel in den USA, wo das Militär das gesetzlich festgelegte Recht hat, Schulen zu besuchen. Tatsächlich behaupten die Streitkräfte, dass der erste Kontakt von der Schule ausgehen muss. Auch wenn das eine Vereinfachung ist, so weist es doch darauf hin, dass es innerhalb des Verantwortungsbereichs der Schule ist, wo Bewusstsein und Einstellungen verändert werden müssen. Mit der weit verbreiteten Sichtweise, dass das Militär nicht kontrovers ist oder gar gefördert werden muss – in den letzten Jahren durch zahlreiche Regierungsinitiativen angekurbelt – ist es nicht überraschend, dass zahlreiche Schulen bereitwillig die Angebote der Streitkräfte akzeptieren, als freundlich und als kostenlose Ressourcen. Es gibt einen gesetzlichen Rahmen, der Ausgewogenheit gewähren und vor politischer Indoktrination jüngerer Kinder schützen soll. Insbesondere Artikel 407 des Bildungsgesetzes (Education Act) von 1996 legt fest, dass wenn politische Themen „SchülerInnen zur Kenntnis gebracht werden“, dies „eine ausgewogene Darstellung entgegengesetzter Sichtweisen“ beinhalten muss. Die Entwicklung eines Verständnisses, dass militärische Aktivitäten und Materialien eine Sichtweise darstellen, und dass Information aus einer bestimmten, stark verzerrten, Perspektive präsentiert wird, und dass alternative Perspektiven jungen Menschen zugänglich gemacht werden müssen, ist ein zentraler Schritt, um Schulen effektiv in ihrer Akzeptanz des Militärs herauszufordern. Schulen sind nach dem Kindergesetz (Children's Act) von 1989 gesetzlich verpflichtet, 'in loco parentis' zu agieren, die Sorgfaltspflicht für Kinder zu übernehmen, und als 'vernünftige Eltern' zu agieren. Sicherlich würden vernünftige Eltern ihrem Kind ein ausgewogenes Bild vermitteln, und sicherstellen, dass sie ein Verständnis erhalten, dass es ihnen erlaubt, eine informierte Entscheidung zu treffen in einer Angelegenheit, die Auswirkungen auf den Rest des Lebens hat.

Debatten anregen und Aktionen fördern

ForcesWatch bemüht sich, ein Verständnis zu entwickeln, dass die Beteiligung des Militärs im wesentlichen einseitig und damit kontrovers ist, und dass Schulen die gesetzliche und moralische Pflicht haben, den Streitkräften den unwidersprochenen Zugang zu jungen Menschen zu verweigern. Wir wollen die Debatte verstärken und damit Räume eröffnen, die es erlauben, diese Politik zu hinterfragen und alternative Perspektiven zu präsentieren. Wir produzieren Materialien, die LehrerInnen, Eltern, und SchülerInnen darin bestärken und unterstützen ihre Schule zu befragen, und sie zur Präsenz des Militärs zu konfrontieren. Auch wenn die Verbreitung von Militarismus allgemein in der Gesellschaft als Mittel funktioniert, auf junge Menschen Einfluss auszuüben, so bietet doch das Bildungssystem dem Militär die Möglichkeit, die 'Türhüter', die die Interessen von Kindern schützen sollen, zu umgehen. Wir bemühen uns Eltern, BetreuerInnen, und SchülerInnen/StudentInnen zu unterstützen wenn sie dieser Agenda widerstehen wollen, aufbauend auf die Arbeit von LehrerInnen-Gewerkschaften in England und Schottland sowie auf Kampagnen von SchülerInnen/StudentInnen. ForcesWatch sammelt Informationen zu den Aktivitäten des Militärs in individuellen Schulen, um mehr Informationen für diese Arbeit zu haben, und wir haben dazu einen Fragebogen (für LehrerInnen und MitarbeiterInnen an Schulen sowie für Eltern und SchülerInnen) entwickelt, der online ausgefüllt werden kann. Wenn Du Erfahrungen mit dem Militär im Bildungswesen hast, dann wollen wir von Dir hören. Siehe http://forceswatch.net für die Umfragen, Materialien, und mehr. Emma Sangster

Anmerkungen

[1] http://conservativehome.blogs.com/platform/2011/09/tom-burkard-troops-in... [2] http://www.respublica.org.uk/item/Military-Academies-Tackling-disadvanta...

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