Unsichtbarer Militarismus in Israel

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Ruti Kantor and Diana Dolev -

PHOTO [Militarisierte Erziehung 2: 'Drei Generationen teilen die Freude der hoffnungsvollen Zukunft für dieses Kind' (Waffenexpo 2008)]

Hintergrund

Militarismus ist in der israelischen Gesellschaft stark eingelassen, und das Bildungssystem ist von sehr früh an ein mächtiges Mittel dazu. Der zentrale Platz der Armee im Leben jedes einzelnen Juden wird täglich demonstriert: einige Leute gratulieren den Eltern zur Geburt eines Jungen mit 'Mazal Tov! Ein neuer Soldat wurde geboren!' Jeder Kindergarten und jede Schule markiert und lobt militärische Siege und hält Gedenkzeremonien für gefallene Soldaten ab. Väter und ältere Brüder der Kinder, die selbst Soldaten sind, nehmen oft an diesen Zeremonien teil. Kinder sehen sich Panzern, Kampfflugzeugen und verschiedenen Arten von Waffen als Teil ihrer Erziehung und täglichen Routine ausgesetzt.

Mit Bezug auf das Militatisierungskonzept im Bildungskontext in Israel schrieb Bildungsforscher und früherer New Profile Aktivist Haggith Gor in Die Militarisierung der Bildung (2005):

Militarismus ist ein System von Werten und Überzeugungen, das die Anwendung militärischer Gewalt als geeignetes Mittel für die Lösung politischer Probleme und zum Erreichen politischer Macht ansieht. Militarisierung bedeutet das Verbreiten von Militarismus als Ideologie und das Verstärken des Einflusses, den das Militär als soziale Institution hat. Militarisierungsprozesse schaffen ein soziales Klima, das Zivilisten darauf vorbereitet, Krieg zu akzeptieren; sie schaffen eine Atmosphäre, in welcher der zentrale Status des Militärs natürlich erscheint und militärische Lösungen für politische Probleme als vernünftig erscheinen läßt. Militarisierungsprozesse gehen Schritt für Schritt vonstatten ... Militarisierung schleicht sich in die alltägliche Routine der Leute ein.i

Die Präsenz des Militärs und Militarismus in öffentlichen Räumen in Israel ist zu einem solchen Ausmaß Teil unserer täglichen Routine, so nach bei uns, dass wir sie nicht sehen, was sie wirklich bedeuten. Wenn wir kein Bewußtsein für deren verschiedene Erscheinungen entwickeln, können wir die von ihnen transportierte Nachrichten von Gewalt und Krieg nicht erkennen. So werden militaristische Nachrichten normal und harmlos. Oder eher noch: sie werden ein wichtiger Baustein unser Identität. Es ist das Bildungssystem der Regierung, das als bei dieser Identitätsshcaffung eine Schlüsselrolle spielt. Junge Leute sind besonders diesem visuellen Militarismus ausgesetzt, und sie sind wahrscheinlich empfänglicher dafür – da sie wahrscheinlich weniger kritisch darüber nachdenken – als Erwachsene. Durch Gegenbildung können wir diese Militarisierung jedoch umkehren, indem wir Verstand erzeugen, der in der Lage ist, Dinge kritisch und reell zu betrachten. Dieser Artikel untersuchen ein paar Beispiele von Militarisierung im öffentlichen Raum Israels und beschreibt die täglichen Antworten darauf.

Beispiele

Unsere zivile Umgebung enthält viele militärischen Bilder, einschließlich Bilder von bewaffneten und uniformierten Soldaten und Armeefahrzeugen (sowohl im Dienst als auch außer Dienst), auf die unsere Kinder oft treffen. Sind wir uns wirklich bewußt, dass sie da sind und welche Konsequenzen das hat?

PHOTO [Militarisiertes Umfeld 1: 'Die meisten Israelis, die Kampfsoldaten an einer Bushaltestelle sehen, werden wahrscheinlich daran denken, wie hart der Kampfeinsatz ist, und Mitgefühl und Stolz empfingen.']

Wir können alle einige militärische und militaristische Bilder identifizieren, selbst wenn sie in Anzeigen und Computerspielen erscheinen.

Wir sind uns jedoch einiger sehr offensichtlicher militärischer und militaristischer Bilder in zivilen öffentlichen Räumen nicht bewußt. Deren militaristische Natur scheint verdeckt zu sein, unsichtbar. Vielleicht haben wir durch wiederholtes Ausgesetztsein darauf trainiert, das Erscheinen von Militarismus in einem zivilen Umfeld zu übersehen.

Von klein an lehrt man jüdische Kinder in Israel zu glauben, dass Juden immer in ihrer Existenz bedroht sind und dass die Lösung eine starke Armee und die Bereitschaft, für Israel zu sterben, ist. Die beiden neben einander stehenden Denkmäler im Binyamina Park sowie die nahe beieinander liegenden Gedenktage: Israels Holocaust Gedenktag, Gedenktag für israelische Kriegsopfer und der israelische Unabhängigkeitstag (alle drei innerhalb von 8 Tagen) sind mächtige Mittel zur Verstärkung dieser Nachricht. Das wird verschiedene Frage auf: wie sollten wir uns selbst trainieren, damit wir tatsächlich unsichtbaren Militarismus in unserem zivilen Umfeld wahrnehmen und uns dessen bewußt machen? Welche direkten Aktionen sollen wir unternehmen, um das Bewußtsein zu wecken und das Verstecken der militaristischen Nachricht in unterschiedlichen Phänomenen zu vermeiden?

Wir können auf vielerlei Art aktiv werden. Oft bedeutet das die Verbesserung unserer eigenen Fähigkeit, subtile Arten von Militarismus zu erkennen, sowie die Aufklärung der nicht antimilitaristischen Mehrheit. Es gibt folgende Ideen:

  • Erarbeiten einer photographischen Ausstellung oder eines Films, die die unterschiedlichen Sichtbarkeitsgrade des Militarismus in ihrem Land dokumentiert, und dessen Verbreitung im Internet

  • Straßentheater als Antwort auf militärische Propaganda (vielleicht mit Betonung auf die physischen und mentalen Verwundungen, die Krieg sowohl den Soldaten als auch den Zivilisten zufügt)

  • Abhalten alternativer spiegelnder Veranstaltungen, wie der Verkauf und die Werbung für weiße Friedensmohnblüten (statt der roten Gedenkmohnblüten, die jetzt unwiderbringlich mit den jetzigen Streitkräften und dem Druck, diese zu unterstützen, verbunden sind) im Vereinigten Königreich.

  • Anbringen von Friedenssymbolen, wie der Regenbogenfahne und dem "Zerbrochenes Gewehr"-Anstecker, an so vielen sichtbaren Örtlichkeiten wie möglich.

PHOTO [Militaristisches Umfeld 2: 'Wo immer man in Isreal hingeht, trifft man wahrscheinlich auf Soldaten, oft mit Waffen. Das ist Tatsache im täglichen Leben.']

Wenn wir über Erfahrungen und Ideen zur Dokumentation und zum Kontern des Militarismus und seiner Symbole sprechen, wird uns das helfen, das notwendige Bewußtsein zum 'Lesen' unseres militaristischen Umfelds aufzubauen. Zusammen können wir die weniger sichtbaren Formen von Militarismus enthüllen. Das wird zu einem größeren Bewußtsein der Militarisierung der Gesellschaft führen, welche positive und effektive Antworten hervorbringen wird, wie Proteste gegen die Präsenz von Waffen als glorifizierende Denkmäler in öffentlichen Räumen (und besonders auf Kinderspielplätzen) und das Lobbying des Verteidigungsministeriums, um dieses von dem Schulunterricht zu trennen. Um das durchzuführen, müssen wir die Gründe für unser fehlendes Bewußtsein identifizieren sowie die Gefahr, die darin liegt, wenn das Militär ein normaler Bestandteil des zivilen Umfelds ist. Wir müssen besonders auf die Auswirkung dieses Phänomens auf junge Leute sehen und Wege finden, dem entgegenzutreten und alternative, entmilitarisierte öffentliche Räume und Symbologie zu realisieren.

iHaggith Gor (ed.), The Militarization of Education (Tel-Aviv, 2005), p. 10.

Übersetzung: Inge Dreger

 

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